Samstag, 11. November 2017

Berner Bauernhaus für Sharp Practice 1798

Das Gesicht des schweizer Mittellands Ende des 18. Jahrhunderts

Die Invasion des bernischen Gebiets durch die Franzosen im Frühjahr 1798 führte auf zwei Wegen nach Bern. Einmal aus der schon besetzten Waadt über Fribourg und Neuenegg, und vom ebenfalls besetzten Jura her kommend über Biel, Solothurn, Fraubrunnen und Grauholz. Beide Wege führten damals durch kaum bebautes Gebiet, welches nur zum Teil landwirtschaftlich genutzt wurde. Ein grosser Teil der Landschaft war bewaldet oder sumpfig.

die Gegend zwischen Biel und Solothurn um 1780 (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:UBBasel_Map_1780_Kartenslg_Schw_B_55_evech%C3%A9_de_Bale.tiff)


Die Bilder von Johann Ludwig Aberli geben uns einen Eindruck, wie es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der Gegend zwischen Bielersee und Bern ausgesehen hat: 

Johann Ludwig Aberli, 1723-1786: Blick auf Erlach und den Bielersee

Johann Ludwig Aberli, 1723-1786: Blick auf die Stadt Bern

In den landwirtschaftlichen Gebieten waren die Siedlungen und Weiler damals durch die für das Berner Mittelland charakteristischen Bauernhäuser geprägt:

Bauernhaus bei Ittigen ca. 1805 (aus: Die Bauernhäuser des Kantons Bern, Band 3)
Bauernhaus bei Bern ca. 1820 (aus: Die Bauernhäuser des Kantons Bern, Band 3)

Bernische und französische Truppen müssen auf ihren Märschen also an zahlreichen solchen Bauernhäusern vorbeigekommen sein und wohl viele Nächte darin oder darum herum biwakiert haben. 


Ein Berner Bauernhaus im 28mm Massstab

Ein typisches Berner Bauernhaus aus der Zeit um 1800 soll darum für meine Sharp Practice Spiele im 28mm Massstab entstehen. Die Basis dafür ist das Modell "Barn/Stables" aus der Serie "Englisch Timber Framed" von Sarissa, weil dessen Grundriss und die Dachform schon recht gut einem Berner Bauernhaus entsprechen. Das Dach des Modells ist abnehmbar.



Die Teile des Gebäudes sind aus 2mm MDF-Platten mit Laser vorgeschnitten und lassen sich sehr leicht herauslösen. Die beiliegende Bauanleitung ist zwar kurz, aber gut strukturiert und bebildert, so dass auch ungeübte Bastler die Teile korrekt zusammenfügen können; dies auch weil alle Teile sehr passgenau sind. Mit ein wenig Weissleim und etwas Gedult beim Trocknen des Leims ist der Zusammenbau des Gebäudes ein Kinderspiel.



Nun wollte ich aber nicht eine englische Scheune, sondern ein Berner Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert bauen. Typischerweise wurde - und wird heute noch - bei einem solchen Haus die eine Hälfte des Gebäudes als Wohnraum für die Familie genutzt, während sich auf der anderen Seite der Stall mit den Tieren befindet. Im zentralen Teil und unter dem Dach liegt die Tenne.

Nachdem die Innenkonstruktion des Gebäudes auf die Grundplatte geklebt war, konnte ich mich an die Neugestaltung und den Ausbau des vorhandenen Materials machen: Zuerst habe ich die Aussenwände bemalt und dann mit Hilfe von Zubehörteilen von Warbases das Gebäude mit Türen, Fenstern, Fensterläden und einem kleinen Balkon ausgestattet

"scratch building" Teile von Warbases
Ich wollte nicht, dass man durch die Fenster in das nicht ausgebaute Innere des Hauses sehen kann, so wie man auch in Wirklichkeit von draussen in der Regel nicht in einen Raum sehen kann, wo weniger Licht herrscht als im Freien. In einem Bauernhaus des 18. Jh. waren die Innenräume bloss am Abend mit wenig Kerzenlicht erhellt, so dass man bei Tageslicht sicher nicht ins Innere sehen konnte. 
Um dies zu simulieren, habe ich nach einigen Versuchen mit einem weichen Bleistift eine Art Maserung auf ein weisses Blatt Papier gebracht und das entsprechende Stück hinter das Fensterkreuz geklebt.

simuliertes Fensterglas

Die Fenster und Fensterläden habe ich dann direkt auf die Wände des Modells aufgeklebt. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, Öffnungen in die Wände zu schneiden und die Fenster dort einzusetzen, so dass sie nicht vorstehen. Kombiniert mit den Fensterläden wirken die aufgeklebten Fenster aber besser und machen auch weniger Arbeit.

Fassade Wohntrakt mit Fenstern und Fensterläden aber noch ohne Balkon

Wohn- und Stalltrakt haben je eine eigene, in die Wand eingesetzte Türe erhalten. Die Stallfenster sind in die Wand eingesetzt, also nicht nur aufgeklebt und besitzen keine Fensterscheiben und -läden.

mit Türen und Stallfenster ergänzte Längswand des Modells

Viele Berner Bauernhäuser besitzen einen Balkon, oder korrekt ausgedrückt, eine "Laube". An meinem Modell sollte diese Laube dem Haus den entscheidenden Berner Bauernhaus Touch verleihen, darum habe ich - wiederum mit Elementen von Warbases - am Wohntrakt eine Laube angeklebt. Sie ist so dimensioniert, dass darauf zwei bis drei meiner 28mm Zivilpersonen oder Soldaten platziert werden könnten - wer weiss, vielleicht wird diese Laube in einem zukünftigen Sharp Practice Spiel einmal eine Rolle spielen !?

Montage des Balkons bzw. der "Laube"

Die Dachflächen habe ich mit Tiling Sheets von Warbases beklebt und dann bemalt, um ein schönes Schindeldach zu erhalten. Dabei werden die Schindeln in Streifen aufgeklebt, so dass sie sich überlappen. Dies war für das gesamte Dach eine ganz schöne Fleissarbeit!





fertig mit Schindeln beklebtes Dach

Die Schindeln habe ich in einer Haupt- und zwei Nebenfarben bemalt und danach mit viel Nuln Oil von Citadel abgedunkelt.


das fertig bemalte Schindeldach

In meiner Vorstellung hat ein Berner Bauernhaus einen Blumen- und Gemüsegarten direkt am Haus. Um das Modell nicht zu gross und unhandlich werden zu lassen, habe ich den Blumen- vom Gemüsegarten getrennt. Die Blumen sollen in einer Art Rabatte rund um den Wohntrakt laufen. Dafür habe ich aus den MFD-Plattenresten des Gebäudes Streifen geschnitten und mit Stiften an die Grundplatte geleimt.

Erweiterung der Grundplatte für die Blumenrabatte
Auf die leere Flache habe ich Modelliermasse platziert und dann Modellbau-Blumen hineingesetzt:


Die Blumen wurden mit verdünntem Leim stabilisiert und der Untergrund bemalt, so dass das Ganze am Schluss ganz nett aussieht:


Eingang zum Wohntrakt mit Blumenrabatte

Das fertige Berner Bauerhhaus von 1798






Der zum Haus gehörende Gemüsegarten

Zu einem typischen Berner Bauernhaus gehören nicht nur die umliegenden Äcker und Weiden, sondern auch ein grosser Gemüsegarten. Dafür habe ich zwei Stücke MDF zugeschnitten und mit Modelliermasse bestrichen: Einmal für ein unbearbeitetes Stück Boden und einmal mit einigen Reihen aufgeschütteter Erde. Die Gemüsebeetreihen sind ganz einfach dadurch entstanden, dass ich die Modelliermasse dick auftrug und danach einen "Kamm" (ein Stück Karton mit am Rand eingeschnittenen "Zähnen") darüber zog.


Nach dem Trocknen wurde die Modelliermasse in bewährter Weise mit Grundierung, erstem und zweitem Highlight bemalt. Den Rand der Platten habe ich dann mit Grasmischung beklebt und das eine oder andere Grasbüschel als Unkraut innerhalb der Gartenfläche platziert. 
In die Gartenbeete habe ich Gemüse aus dem Modelleisenbahn-Shop und weitere Grasbüschel als Grünzeug platziert. Das Ergebnis sieht ganz toll aus!

Gemüsebeete links und Brachland rechts
Aus Richard Clarke's TooFatLardies Blog habe ich die Idee mit den Kürbissen abgeguckt. Auf das brachliegende Stück Boden passen diese hübschen Kürbispflanzen perfekt; so sieht ein richtiger Gemüsegarten aus!

Die Kürbisse sind nur draufgelegt, und können einfach entfernt werden.


Die nächsten Ausbauschritte

Auf der Werkbank liegen die nächsten Teile für den Ausbau des Bauernhofs schon bereit: Der Garten soll eine - optionale - Mauer erhalten. Diese passt nicht nur historisch und optisch bestens dazu, sondern macht den Garten im Spiel auch als starke Position interessant.




Ein charakteristisches Element eines Bauerhnofs ist natürlich der Brunnen mit Trink- und Waschwasser. Die Figurengruppe stammt von Front Rank Miniatures.



Nun darf aber ob all der Modellbauerei das Spielen nicht vergessen gehen ..



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